Kein Kitaplatz? Das könnt ihr tun

Julia

Der harte Kampf um Berliner Kitaplätze

Fast ein Jahr Elternzeit liegt nun hinter mir und ich bin ziemlich lädiert. Mehrere Monate lang hing ich in den Seilen und hatte mein Handtuch zum Werfen griffbereit.

Fast nicht mehr daran geglaubt, ist für uns letzte Woche doch tatsächlich ein kleines Wunder wahr geworden: Unser Baby hat einen Kitaplatz!

Für diesen langersehnten Anruf vom Kindergarten haben wir 1,5 Jahre lang gekämpft. Haben bereits Kitas besucht, als Charlie noch avocadogroß in meinem Bauch umherschwamm und herumtelefoniert bis unser Festnetztelefon seinen Geist aufgegeben hat. Nur glutenfreien Kuchen haben wir nicht gebacken.

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Nun darf ich endlich den Ring verlassen und Eis auf meine Wunden legen. Mich hat die verzweifelte Suche nach einem Betreuungsplatz für unser Baby sehr beschäftigt. Immer häufiger lag ich in des Nächtens wach und hörte die Zukunftssorgen in meinem Kopf knirschen. Damit war ich nicht die einzige. In meinem näheren Umfeld gab es viele Familien, die wie wir ihre Elternzeit damit verbrachten nach einem Kitaplatz zu suchen.

Was können Eltern also tun, wenn der erhoffte Kitaplatz noch auf sich warten lässt?

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Kein Kitaplatz? Das könnt ihr tun:

Elternzeit verlängern

Soll die Elternzeit unplanmäßig verlängert werden, muss der Arbeitgeber dem Zustimmen. Dabei sind natürlich Fristen einzuhalten und man sollte sich generell wohl so früh wie möglich mit seinem Arbeitgeber in Verbindung setzen. Die Elternzeit zu verlängern hat den Vorteil, dass damit auch weiterhin ein Kündigungsschutz gewährt wird. Geld gibt es zwar nicht, aber immerhin.

Einen Kitaplatz einklagen

Tja, dieser Rat ist in allerhand Ratgeber-Artikeln zu lesen und lässt wohl viele betroffene Leser mit einem Kopfschütteln zurück. Natürlich kann man argumentieren, dass Städte und Gemeinden ja aufgrund der rechtlichen Grundlage ihrer Kitaplatz-Garantie nachkommen müssen. Wie wahrscheinlich es ist, dass eine Klage rechtzeitig die benötigten Kitaplätze auf magische Weise erscheinen lässt ist dabei allerdings die Frage.

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Verdienstausfall einklagen

Erfolgversprechender, als den Kitaplatz selbst einzuklagen, ist aktuell seinen Anspruch auf Entlohnung geltend zu machen.

Wer am Ende seiner Elternzeit noch immer ohne Kinderbetreuung dasteht, läuft früher oder später wohl in ein finanzielles Problem. Das Elterngeld oder Elterngeld Plus entlohnt Eltern zwar für ihre Bemühungen die nächste Generation Steuerzahler aufzuziehen, geht das über den regulären Zeitraum allerdings hinaus versiegt der Geldhahn im Handumdrehen.

Kein Kitaplatz? Kein Geld!

Das Problem: ohne Kitaplatz steht man dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, gilt demnach als nicht vermittelbar und hat keinen Anspruch auf monetäre Unterstützung.

Eine befreundete Mutter stand drei Wochen vor dem Ende ihrer Elternzeit vor den verschränkten Armen eines Vermittlers der Agentur für Arbeit. Ohne Betreuung für ihren kleinen Wirbelwind fand ihre Idee via Abendschule eine Umschulung zu machen keinen Anklang.

»Sobald sie mir den Nachweis über einen Kitaplatz bringen, kann ich ihnen auch eine Weiterbildung bewilligen.«

Gehe zurück auf Los, ziehe keine 2.000 € ein!

Damit Mama oder Papa nicht gänzlich leer ausgehen, bleibt die Möglichkeit auf eine Klage gegen den Staat. Wir waren aufgrund der mangelnden Perspektiven darauf vorbereitet in den Rechtsstreit zu gehen. Es gibt zahlreiche Anwaltskanzleien die sich darauf spezialisiert haben Eltern in dieser Lage zu vertreten.

Erfolgsaussichten stehen je nach Bundesland wohl ganz gut, fraglich ist nur, wann bei einem gewonnenem Prozess dann auch wirklich Geld auf den leerstehenden Konten eintrifft.

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Mit anderen Eltern verbünden

Viele verzweifelte Eltern haben eines gemeinsam: Einen Facebook-Account. Es gibt inzwischen bei allen gängigen sozialen Netzwerken zahlreiche Gruppen, die sich gegenseitig Babysitting-Dates organisieren. Ein Kleinkind den ganzen Tag alleine zu bespaßen ist eine große Herausforderung.

Außerdem ist es immer hilfreich Leute mit den gleichen Problemen zu finden. Im Zweifel kann man sich bei ihnen auch einfach mal auskotzen und weiß, dass man verstanden wird. Das hilft manchmal ungemein. Ein Blick in diese lokalen Gruppen lohnt sich!

Sich Gehör verschaffen

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es wichtig ist, sich gerade in Angelegenheiten wie der Kitaplatz-Situation Gehör zu verschaffen.

Je mehr öffentlicher Druck aufkommt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Politik sich diesem Thema annimmt.

Der soziale Sektor braucht mehr Aufmerksamkeit und Pädagogen unsere Unterstützung!

Also macht euren Sonntagsspaziergang doch das nächste Mal im Rahmen einer Demo und unterschreibt Petitionen für eine bessere Bildungszukunft für unsere Kinder.

Das Land Berlin zum Beispiel arbeitet mit Hochdruck daran das Kitaplatz-Defizit abzubauen. In unserem Nachbarbezirk entstehen derzeit drei große Kindergärten.

Die Hoffnung nicht aufgeben

Wie oft musste ich in den vergangenen Monaten meine Hoffnung vom Boden klauben und wieder zusammenflicken. Sich selbst gut zureden, um weiter positiv denken zu können kostet Kraft, ich weiß das.

In vielen Ballungsgebieten herrscht auch unterjährig immer Fluktuation und so werden Plätze in Gruppen frei, wenn Familien Beispielsweise die Stadtflucht antreten.

Dran bleiben ist also die Devise.

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Ich wünsche allen Familien viel Erfolg bei der Suche nach einer für sie geeigneten Kinderbetreuung!

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