»Ein Kaiserschnitt ist Pillepalle« zwei Mamas und ihre Erfahrungen

Julia

Kaffee, Käse und Kaiserschnitt

Die Kaffeemaschine spuckt tiefschwarzen Wachmacher in eine schläfrige Tasse. Es ist 7 Uhr an einem Mittwoch und wir sitzen gemeinsam beim Frühstück – drei müde Mamas und ihre drei Babys.

Meine Freundin Jill hat ihren kleinen Wonneproppen auf dem Schoß, ein sechs Monate altes Mädchen mit rosigen Wangen und einem Grinsen im Gesicht. Ihre kleinen Fingerchen strecken sich fest entschlossen über den Küchentisch Richtung Obstschale.

Neben mir sitzt Maya, in deren Armen ein zartes braunhaariges Geschöpf schläft, ebenfalls ein Mädchen und fünf Monate alt.

Jill und Maya haben, neben tiefen Augenringen, noch eines gemeinsam – ihre Mädchen kamen per Kaiserschnitt auf diese Welt. An diesem Morgen, ungefähr ein halbes Jahr später, kommt das Thema Geburt wieder auf den Tisch.

Wieso kam es bei euch eigentlich zum Kaiserschnitt?

Maya: Das hat sich bei mir schon um die 25te Schwangerschaftswoche angedeutet – die Kleine lag in Beckenendlage. Trotz einiger Turnübungen hat sie sich bis zum Schluss nicht gedreht, was wohl auch daran lag, dass ich wenig Fruchtwasser hatte. Meine Frauenärztin verwies mich dann an die Klinik zur Planung der Geburt.

Jill: Bei mir hat das Baby so schnell an Gewicht zugelegt, dass wir eine erneute Feindiagnostik zur Vermessung machen ließen. Drei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin wurde ihr Gewicht auf 5 Kg geschätzt. 11 Tage vor dem ET musste ich mich dann entscheiden – mit 5 Kg waren mir die Risiken zu hoch. Ich hab immer nur versucht an sie zu denken und ich wollte nicht um jeden Preis eine natürliche Geburt haben, obwohl ich mir das gewünscht hätte.

Kaiserschnitt Erfahrungen

Wie ging es euch bei dem Gedanken an den Kaiserschnitt?

Jill: Ich hatte schon Probleme mit meiner Entscheidung – ich habe mich schlecht gefühlt. Ich wollte meiner Kleinen nicht schaden, das war das wichtigste.

Ich habe mich mit meiner Entscheidung schlecht gefühlt

Maya: Ich hatte mich gedanklich schon darauf vorbereitet normal zu gebären. An den Gedanken Kaiserschnitt musste ich mich gewöhnen – ich hatte Angst, aber es war kein Weltuntergang.

Habt ihr euch auf die OP irgendwie vorbereitet?

Jill: In der Theorie weiß man was passiert. Ich hatte Angst davor, das man ja währenddessen wach ist. An sich hatten wir dann die normale Aufklärung in der Klinik zur OP. Ich habe dann noch angefangen ein Video auf YouTube zu gucken, aber spätestens als der Bauch aufgeschnitten wurde hab ich ausgemacht. Das war mir dann doch zu viel.

Das Gute daran: du weißt, wann es soweit ist

Positiv an der ganzen Sache war, das man wusste, wann es soweit ist und noch dies und das erledigen konnte.

Maya: Ich hatte eine Broschüre und hab ein bisschen im Internet über den Kaiserschnitt gelesen.

Welche Anästhesie habt ihr für den Kaiserschnitt bekommen?

Jill: Man bekommt eine Spinalanästhesie, direkt vor der OP, also ungefähr 15 Minuten vorher.

Einzug in den OP – wie habt ihr euch gefühlt?

Jill: Ein OP und ich – wir kannten uns noch nicht. Ich war erschrocken wie klein und vollgestellt der Raum war.

Als wir in den OP kamen haben unsere Herzen schneller geschlagen

Maya: Man muss vor der Anästhesie nüchtern sein und ich hatte Angst, das ich Hunger bekomme…

  Kaiserschnitt Erfahrungen

Waren eure Männer mit dabei?

Jill: Ja, mein Freund war dabei. Aber er wurde erst geholt, als alles komplett für die OP vorbereitet war. Er sollte solange unsere Sachen ins Zimmer räumen. Er war ganz entspannt.

Maya: Mein Freund war auch dabei, bis kurz nach der Geburt. Als sie mich wieder zu genäht haben, war er mit dem Baby alleine im Nachbarzimmer.

Wie lief der Kaiserschnitt dann eigentlich ab?

Maya: Rumpelrumpel!

Jill: Ja, Rumpelrumpel trifft es ganz gut. Es ging eigentlich alles ganz schnell und die sind da halb auf mir rumgeturnt… Und dann kam das Baby. Man hört den Schrei, aber den eigentlichen Moment der Geburt kriegt man nicht mit.

Ich habe versucht meinen persönlichen Moment der Geburt zu genießen

Maya: Ich hatte vor diesem Moment solche Angst. Als ich gemerkt habe, dass ich keine Schmerzen spüre, fiel meine Anspannung ab und ich wurde ganz ruhig. Ich habe es versucht zu genießen, denn es war ja mein Moment der Geburt.

Jill: Man muss sich aber darauf einstellen, dass man die Hände der Schwestern schon noch auf der Haut spürt.

Und wie lange hat der Kaiserschnitt gedauert?

Maya: Die Vorbereitung mit der Anästhesie ungefähr 20 Min. Die eigentliche OP, also die Geburt vielleicht 5 Minuten!? Naja und danach noch das zumachen.

Jill: Ja, bei mir auch. Gefühlte 5 Minuten.

Kaiserschnitt Erfahrungen

Konntet ihr im Operationssaal mit eurem Baby zusammen sein?

Jill: Ich bekam mein Baby nach der Geburt auf die Brust gelegt. Nach dem Zunähen kamen wir für ungefähr 6 Stunden zur Kontrolle in ein Beobachtungszimmer. Wir drei waren immer zusammen.

Maya: Ich bekam mein Baby nur kurz gezeigt. Nach dem OP kam ich auch in einen Beobachtungsraum, aber ohne meine Kleine, um ein Infektionsrisiko zu minimieren. Erst nach drei Stunden habe ich mein Baby dann so wirklich bekommen.

Wie lief es mit dem Stillen nach dem Kaiserschnitt?

Maya: Bei uns startete das Stillen etwas verspätet. Mein Baby bekam das bisschen abgepumpte Milch von mir und nach 48 Stunden noch Pre-Milch, weil ich noch keinen Milcheinschuss hatte. Der kommt wohl üblicherweise nach einem Kaiserschnitt erst etwas später, als bei einer spontanen Geburt. Nach ein paar Tagen, als meine Milch dann kam, haben wir uns gemeinsam ans Stillen gewöhnt.

Jill: Das Stillen hat bei uns an sich gut funktioniert. Meine kleine wurde nach der OP gleich angelegt.

Wie lange wart ihr nach dem Eingriff im Krankenhaus?

Jill: Ich war 5 Tage im Krankenhaus.

Maya: Ja, ich auch.

Und die Schmerzen? Wie lange tut die Kaiserschnittnarbe weh?

Jill: Der Schmerz kam langsam, ich war noch voll mit Schmerzmitteln. Ich sollte auch gleich am Tag der OP wieder laufen und am nächsten Tag wieder duschen.

Maya: Niesen war doof!

Wie pflegt man eine Kaiserschnittnarbe?

Maya: Eigentlich muss man nichts machen.

Jill: Genau.

Maya: Nicht eincremen etc. Meine Hebamme sagte, ich könne mit etwas Olivenöl cremen, das war’s dann aber auch. Die Narbe wird durch die Hebamme und den Frauenarzt kontrolliert.

Und wie lange dauert es, bis alles verheilt ist?

Maya: Bei mir hat sich die Narbe leicht entzündet. Also der Knoten von der Naht, der wurde dann später entfernt und die Entzündung verschwand. Einige Monate danach hatte ich noch ein wenig Taubheitsgefühl.

Ich hab’s mir 1.000 Mal schlimmer vorgestellt

Jill: Ich hatte leichte Schmerzen noch mindestens 3 – 4 Monate nach der OP. Mit einigen Hosen hatte ich Probleme und hab daher wieder meine Schwangerschafts-Hosen getragen und neue Unterwäsche gekauft, bei der die Nähte nicht auf Narbe liegen.

Durftet ihr nach dem Kaiserschnitt Sport machen?

Maya: Mit Sport sollte man etwas länger warten, ich mache in Ruhe den normalen Rückbildungskurs.

Jill: Ja, im Zweifel lieber länger warten mit dem Bauchmuskeltraining.

Bei einer hypothetischen zweiten Geburt – Kaiserschnitt ja oder nein?

Jill: Wenn es wieder genauso ablaufen würde, ohne Komplikationen, dann ja zum Kaiserschnitt. Jetzt weiß man auch, was einen erwartet.

Maya: Ich würde auch wieder einen Kaiserschnitt machen lassen, allein wegen der Narbe; obwohl ich schon auch gerne das Erlebnis einer natürlichen Geburt hätte.

Kaiserschnitt Erfahrungen

Keine Angst vorm Kaiserschnitt!

– es scheppert –

Jills Baby hat sich eine Pflaume gegriffen und lutscht beherzt daran herum. Während Mayas Mädchen noch immer auf ihrem Arm schläft, hat mein kleiner Charlie langsam keine Lust mehr Geschichten vom Kaiserschnitt zu lauschen. Wir beginnen den Frühstückstisch leer zu räumen und Jill sagt nach ein paar nachdenklichen Minuten:

»Wenn ein Kaiserschnitt reibungslos verläuft, ist es Pillepalle!«

 

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2 Kommentare

  1. 26. November 2018 um 13:30 — Antworten

    Ein schönes Interview zu einem so wichtigen Thema. Hugo kam auch per Kaiserschnitt auf die Welt. Die gesundheitlichen Risiken waren zu groß. Nichtsdestotrotz sind wir unendlich dankbar & glücklich, wie es gekommen ist & dass alle wohlauf sind.
    LG, Richard & Hugo (vom vatersohn.blog).

    • Julia
      26. November 2018 um 14:01 — Antworten

      Es ist doch fabelhaft, dass wir in einer Zeit leben, in der Babys wie klein Hugo sicher geboren werden können. 🧡

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