5 Dinge, die ich am Stillen hasse

Julia

Gerade die ersten Wochen nach der Geburt bestimmt das Stillen den Alltag einer Mutter und verlangt völlige Hingabe. Dabei soll man sich natürlich gut fühlen, stärkt man doch durch die körperliche Nähe die Bindung zum eigenen Kind auf unerlässliche Weise. Es gibt schließlich nichts natürlicheres und schöneres, als ein Baby an der Brust hängen zu haben.

Stillen – morgens, mittags, abends. Und dazwischen auch.

Diese Aufgabe fordert Mütter auf der ganzen Welt jeden Tag auf’s neue heraus. Dabei darf man auch mal sagen, dass Stillen manchmal Scheiße ist!

5 Dinge, die ich am Stillen hasse:

Stillprobleme - 5 Dinge, die ich am Stillen hasse

1. Milch überall. Immer.

Ich kann es nicht mehr riechen… Mein Körper riecht nach Milch. Meine Klamotten riechen nach Milch. Die Baumwolltücher, die in der ganzen Wohnung verteilt sind, riechen nach Milch. Einzig und allein der Milch-Mundgeruch des Babys ist aus irgendeinem Grund zauberhaft.

Weiß, Weiß, Weiß sind alle meine Kleider

Zwar ist es ein großes Glück, dass ich offenbar die geborene Milchproduzentin bin, aber meine ständig tropfende Brust geht mir langsam auf die Nerven. Stilleinlagen und Auffangschalen tun ihr bestes, ab und an geht aber doch mal was daneben. Und so habe ich eigentlich immer Milchflecken im BH und beim Stillen selbst benutzt das Baby gern meinen Arm, um sich den Milchbart aus dem Gesicht zu wischen. Vorzugsweise natürlich, wenn ich gerade frisch geduscht bin.

2. Langeweile

Ja, auch ich könnte mein frischgebackenes Baby stundenlang angucken, aber irgendwann ist auch mal gut. Vor allem zu Beginn unserer Reise zu einer entspannten Still-Routine waren der Sohnemann und ich oft sehr lange mit einer Mahlzeit beschäftigt. War nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten der Nippel gefunden, musste ich nur noch die Zähne zusammenbeißen und die Schmerzen ertragen. Bis der Knirps sich an einer Seite satt getrunken hatte konnten gut und gerne mal 20 – 30 Minuten vergehen.

»Ein Smartphone ist während des Stillens tabu!«

Überall wird propagiert, man solle beim Stillen nichts nebenbei machen, sondern stattdessen Augenkontakt zum Baby halten. Nun… mein Baby trinkt meist genüsslich mit geschlossenen Augen und ich weiß nicht mal, ob für ihn außer der Brust in dem Moment überhaupt irgendetwas existiert. Ich habe das Gefühl, selbst die Vorstellung, dass diese Milchquelle mit mir als Person verbunden ist, ist für dieses wenige Wochen alte Wesen doch recht abstrakt.

Langeweile beim Stillen bedeutet nicht, dass ich mein Kind nicht liebe

Und während ich häufig versuche diese Zeit der Ruhe für meditative Gedanken(losigkeit) zu nutzen, kommt doch häufig Langeweile auf. Besonders nachts, wenn mir die Augen immer wieder zufallen und ich befürchte einzuschlafen, muss ich doch Handy oder Kindl zücken, um mich wach und bei Laune zu halten. Es nervt, dass ich den Großteil meiner Zeit mit dem Bereitstellen von Milch beschäftigt bin und mir diverse Autoren ein schlechtes Gewissen einreden wollen, sollte ich es wagen, mich in diesen Momenten etwas anderem zu widmen, als meinem Kind. Als würde ich nicht schon den Rest des Tages und der Nacht mit ihm beschäftigt sein.

Stillprobleme - 5 Dinge, die ich am Stillen hasse

3. Meine kurze Leine

In der Regel muss ich alle zwei bis drei Stunden in meiner Funktion als Nahrungsquelle zur Stelle sein. Zwar habe ich eine Milchpumpe und auch einen kleinen Vorrat an eingefrorener Milch im Tiefkühler, mein Milchspeicher will aber regelmäßig entleert werden.

Wenn ausschlafen keinen Spaß mehr macht

Nach aller spätestens drei Stunden sagen mir meine Brüste klar und deutlich, dass es nun an der Zeit ist die Milch loszuwerden. Was mit einem plötzlichen Ziehen bis zum Schlüsselbein beginnt, endet in einem durchgeweichten BH. Zumindest, wenn nicht schnell genug mein hungriges Baby in der Nähe ist. So auch nachts. Schläft der kleine Sohnemann länger als üblich, wache ich zunächst erfreut und ausgeruht auf… Bis ich bemerke, dass ich durchnässt in einer weißen Lache liege und mich und das Bett erstmal komplett umziehen darf.

Stillprobleme - 5 Dinge, die ich am Stillen hasse

4. Einen BH tragen zu müssen

In dem Jahr vor meiner Schwangerschaft habe ich an ungefähr 360 Tagen keinen BH getragen und es war fabelhaft. Einer der tollen Vorteile einer kleinen, kompakten Oberweite. Damit war es dann ab dem zweiten Trimester vorbei. Und jetzt, wo ich die Milch-Minibar immer mit mir herumtrage, zerrt die Schwerkraft unnachgiebig an mir.

Mein Busen führt ein Leben in Gefangenschaft

Würde ich keinen BH tragen, wäre das alles sehr unangenehm und außerdem brauche ich ja etwas, dass meine Milch in Zaum hält, wenn sie mal wieder das Weite sucht. Das ich daher auch nachts einen BH tragen muss fühlt sich für mich mehr als unnatürlich an. Zwar haben Still-BHs ja keine Bügel und sind auch sonst ehrlicherweise recht bequem, es ist dennoch kein Vergleich zu einer Brust, die in Freiheit lebt.

5. Die Still-Diät

Während das Thema Ernährung während der Schwangerschaft zum wahren Glaubenskrieg eskaliert, ist es während der Stillzeit ziemlich einfach. Isst du Kohl, wirst du den Rest des Tages damit verbringen deinem Baby die Püpse durch den Bauch zu massieren. Trinkst du ein Glas Orangensaft verschaffst du deinem Baby einen wunden Po. Zumindest bei uns haben sich all diese Zusammenhänge sofort bewahrheitet. Nach einigen trial and error Tagen habe ich meine Speisekarte rigoros zusammengestrichen. Übrig blieben nur ungefährliche, um nicht zu sagen langweilige, Gerichte einer basenreichen Diät.

Wenn Pilze, Kohl und Äpfel zum Endgegner werden

Dabei hatte ich gehofft das leidliche Thema vorsichtige Ernährung mit der Schwangerschaft hinter mir gelassen zu haben. Die Still-Zeit bestimmt meinen Speiseplan jetzt aber mehr denn je und ich verzichte nach wie vor auf viele meiner Lieblingslebensmittel und Gerichte. Dabei trotzdem die nötigen Nährstoffe und Kalorienmengen zu sich zu nehmen macht das Essen zu einer planerischen Höchstleistung.

Außer Haus essen ist wie russisch Roulette

Und wenn es mich dann doch mal überkommt und ich mich beim Lieblingsvietnamesen traue eine köstliche Suppe voller vermutlich verhängnisvoller Zutaten zu essen, fliegt mir das meist wenig später direkt um die Ohren. Dabei will ich ja auch nicht, dass mein Baby meinetwegen unter Bauchschmerzen leiden muss und ärgere mich im Nachhinein über meinen törichten Wunsch, mal außergewöhnlicher zu essen, als Kartoffeln und Möhrchen.

Stillprobleme - 5 Dinge, die ich am Stillen hasse

Ich freue mich auf die Zeit, in der ich ein großes Stück meiner Unabhängigkeit wieder erlangen werde und Schmerzen, Einschränkungen beim Essen und Still-BHs hinter mir lasse. Trotzdem gehe ich davon aus, dass ich es später vermissen werde mein Baby recht unkompliziert ernähren zu können.

(Was ich am Stillen liebe)

Die kleine Hand, deren winzige Finger über mein Dekolleté tanzen.

Das gluckern der Milch in Babys Bauch.

Wenn dieses kleine Wesen mir satt und glücklich in die Brust lächelt; vollkommen entwaffnend.

 

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2 Kommentare

  1. Katja
    2. Mai 2018 um 10:32 — Antworten

    Ahhhh wundervoller Beitrag, der mir aus der Seele spricht! Und ja, auch ich habe gerade mein Handy beim stillen in der Hand :)

    • Julia
      2. Mai 2018 um 11:05 — Antworten

      Merci Katja!
      Da bin ich deinem Handy aber dankbar, dass es dich zu mir geführt hat.

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