Kita-Eingewöhnung: die Tränen kamen 6 Wochen später

Julia

Ganz so einfach ist es dann doch nicht

Die erfolgreiche Eingewöhnung vom Babymann nahm schlanke 5 Tage in Anspruch. Während sich mein Kind schnell auf seinen neuen Alltag unter gleichaltrigen eingestellt hatte, gewöhnte ich mich nur langsam an die neugewonnene Zeit alleine. Plötzlich so viel Stille zu Hause. So viel ungestörte me-time im Bad, ohne das Jemand derweil die Schränke komplett ausräumt und überall Tampons verteilt. Entspannend und auch ein klitzekleines bisschen einsam. Tag um Tag ging der kleine Mann gern zur Kita. Der Abschied verlief dabei stets kurz und schmerzlos. Die Tage vergingen wie im Fluge und ohne große Probleme. Und dann kam der Winter…

Kita-Keime aus der Hölle

Von befreundeten Eltern bereits groß angekündigt: das große Kita-Keime-Varieté! Wir saßen nach kürzester Zeit in der ersten Reihe und wurden immer wieder auf die Bühne gerufen. Nach einem bunten Strauß Bazillen, kam schon der nächste Virus auf dem Trapez herangeschaukelt. The show must go on. 

Einen Monat lang waren wir Dauerkrank. Erst Papa, dann Baby und wenn Mama dann erst krank und langsam wieder gesund war, ging es bei Papa wieder von vorn los. Ein lustiges Karussell der Kinderkrankheiten. Charlie war nur vereinzelt in der Kita. Kaum war ein paar Tage dort musste er auch schon wieder eine Zwangspause einlegen. Dahin war er – unser Eingewöhnungs-flow.

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Tränen bei Baby und Mama

Nachdem wir uns der Jahreszeit entsprechend wieder einigermaßen stabilisiert hatten, stellte sich in der Kita leider ein tränenreicher Abschied ein. Der Morgen zu Hause verlief in der Regel gut gelaunt und energiegeladen. Es wurde gespielt, gegessen, gerannt. Auch bei der Ankunft in der Kita war noch alles rosig, sobald wir jedoch die Garderobe betraten, dämmerte im kleinen Kopf, was als nächstes geschehen würde. Zwei Minuten später kullerten dicke Tränen untermalt von einem herzzerreißenden Weinen.

»Ich kann so doch nicht gehen!?«

»Doch, er wird sich schnell beruhigen. Sie können sich auch noch kurz vorne hinsetzen und etwas zuhören. Sag Mama mal Tschüß!« Glücklicherweise sind Pädagogen Profis in Sachen Trennungsschmerz und wussten sowohl Baby, als auch Mama zu beruhigen.

Anfang Dezember habe ich also Morgen für Morgen mein weinendes Kind abgegeben und mir selbst die aufkommenden Tränen weg geblinzelt. Oft stand ich noch im Eingangsbereich und habe gewartet, bis kein Weinen mehr zu hören war. Charlie hat sich eigentlich immer binnen weniger Minuten (in Wirklichkeit sogar eher Sekunden) beruhigt. Erst wenn es ruhig geworden war konnte ich wirklich gehen; aber einen Klos im Hals habe ich trotzdem jedes Mal mitgenommen.

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Entspann dich, alles andere hilft eh nicht

Glücklicherweise hatten wir bis kurz vor Weihnachten eine Phase, in der wir alle mehr oder weniger gesund waren. Die erste Woche ohne Zwischenfälle habe ich jeden Tag mit einem Anruf aus der Kita gerechnet. In der zweiten Woche hatte ich ständig Phantom-Halskratzen oder dachte nach zweimal Niesen jetzt geht es doch wieder los. Aber es blieb ruhig. In Woche drei ohne Krankheiten wurde ich dann endlich etwas entspannter.

Zum Jahresende war Charlie dann auch wieder voll und ganz im Kita-Alltag angekommen. Die Abschiede verliefen mal so mal so… An manchem Morgen wurde gequengelt, an anderen tauchte er sofort mitten ins Spielen ab, als ich noch nicht mal zur Tür hinaus war. Tränen gab und gibt es eigentlich nicht mehr. Zum Glück.

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Was macht unser Kind eigentlich den ganzen Tag?

Nach den Feiertagen mit der Familie war Charlie deutlich reif für die Kita. Wir gaben uns größte Mühe ihm die Tage hier zu Hause interessant zu gestalten. Waren bei Wind und Wetter draußen und haben unsere Wohnung in jeglicher Form bespielt. Das war schön, aber irgendwann war klar – das Kind muss wieder zu seinen Kollegen! So waren wir alle drei froh, als der Jahreswechsel und somit auch die Schließzeit vorüber war.Kindergarten Kita Eingewöhnung Papa und Baby Kollwitzplatz Berlin Schaukel Babyschaukel Spielplatz Winter

Zack hatten wir uns wieder in unseren jeweiligen Alltag eingefunden. Das Thema schwieriger Abschied hat sich mittlerweile wirklich gänzlich in Luft aufgelöst. Zurück blieb bei uns Eltern jetzt nur die Frage – wie verbringt unser Kind eigentlich seine Tage? Wir kennen die Abläufe in der Kita, kennen die Kinder, Pädagogen und Räumlichkeiten. Und doch haben wir nach der intensiven Zeit zu dritt das Gefühl einen wichtigen Teil seines Lebens nicht begleiten zu können.

Und trotzdem ich mehr als froh bin, dass nach unserer langen Suche ein heißbegehrter Kitaplatz in unsere Hände fiel, habe ich neben meinem lachenden Auge eines, das tapfer eine kleine Träne Trennungsschmerz weg blinzelt.

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1 Kommentar

  1. 18. Februar 2019 um 10:39 — Antworten

    Das steht uns (hoffentlich, wenn wir denn einen Platz im Sommer für Hugo bekommen…) bevor. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwer das werden wird (mal abgesehen vom “Kita-Keime-Varieté”, haha) :-).

    LG, Richard & Hugo vom https://www.vatersohn.blog/

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