Schwanger sein ist wie Muskelkater haben. Überall.

Julia

Blähungen, Sodbrennen, Wadenkrämpfe – der Beipackzettel einer Schwangerschaft liest sich ziemlich abschreckend. Bei der vollständigen Liste an Nebenwirkungen, würden wir ein entsprechendes Medikament vermutlich nur widerwillig einnehmen.

Wer bist du und was hast du mit meinem Körper gemacht?

Schon zu Beginn meiner Schwangerschaft fühlte ich mich von meinem Körper irgendwie entfremdet. Unsere Beziehung hatte schlagartig ihre Leichtigkeit verloren, als hätten wir uns irgendwie auseinandergelebt. Denn wo ich sonst Körper und Geist im Einklang wähnte, stand ich nun täglich vor neuen Hindernissen. Angefangen bei der Lieblingsjeans die nicht mehr passte, bis hin zur U-Bahnhof Treppe, die unverhofft zur großen Herausforderung wurde.

Die körperlichen Bedürfnisse neu kennenlernen

Vor allem an meiner eingeschränkten Belastbarkeit hatte ich hart zu knabbern. Ein kleiner Punkt in meinem Bauch, gerade mal so groß wie eine Blaubeere, sollte schon solche Einschränkungen mit sich bringen?

Fremdkörper während der Schwangerschaft

Schwanger sein ist wie Muskelkater haben. Überall.

Man kennt ein intensiviertes Körperempfinden aus Zeiten, in denen man krank zu Hause liegt. Plötzlich wird einem bewusst, mit welchem komplexen Apparat man lebt und wie es sich anfühlt, wenn ein Stein in die Speichen gerät. Ähnlich auch wie ein ordentlicher Muskelkater, der einen Körperteile fühlen lässt, die man vorher nie wahrgenommen hat, bringt eine Schwangerschaft eben auch ein neues Körpergefühl mit sich. Das empfand ich nicht selten als unangenehm.

Der eigene Körper im Ausnahmezustand

Das Innere einer werdenden Mutter wird in jeder Hinsicht durcheinander gewirbelt. Der Körper steckt einem dabei ganz neue Grenzen und sagt klar und deutlich was plötzlich nicht mehr geht. Hinzukommen Gefühle und Sorgen in einer völlig neuen Intensität, die einem schon mal von eben auf gleich die Stimmung verhageln können.

No hablo meine eigene Körpersprache

Ich versuchte stets auf meinen Körper zu hören und immer ein offenes Ohr nach innen zu haben. Wenn ich aber meine eigene Körpersprache nicht mehr verstand, war ich nicht selten ratlos. Kein Dolmetscher in Sicht. Manchmal wusste ich nicht, ob ich normale Wachstumsschmerzen in der Gebärmutter hatte, sich irgendwelche Organe zusammenschoben oder einfach Blähungen ihr Unwesen trieben. Ohne Erfahrungen aus einer früheren Schwangerschaft fiel es natürlich schwer zu beurteilen, ob das alles normal war.

Was mir letztlich immer geholfen hat: Ruhe und Geduld. Es ist auch in diesem besonderen Umstand, wie so oft im Leben – man gewöhnt sich an alles. Man gewöhnt sich daran kein Experte mehr für das zu sein, was im Inneren vor sich geht. Daran, unsicher zu sein und ständig Symptome zu googeln. Man gewöhnt sich daran, sich schlecht zu fühlen und lernt die guten Tage umso mehr wertzuschätzen. Und man gewöhnt sich daran, mit dem eigenen Körper überfordert zu sein.

Fremdkörper während der Schwangerschaft

Ein Fremdkörper, auch nach der Geburt

Was ich aus meinen 10 Monaten Schwangerschaft mitgenommen habe, ist ein neu gewonnener Respekt vor allen Schwangeren und Müttern!

Nicht jede Schwangerschaft ist gleich. Manch eine Frau fühlt sich möglicherweise während ihrer gesamten Schwangerschaft kaum anders als sonst und andere empfinden es als sehr viel beschwerlicher, als ich zum Beispiel. So oder so ist es für alle eine Ausnahmesituation, mit der es sich zu arrangieren gilt, auch über die Schwangerschaft hinaus.

Große Herausforderungen, die viel Akzeptanz verlangen

Nach der Geburt ist nichts so, wie es ein mal war. Kaum ist die Haut am Bauch entlastet, um nicht zu sagen schlaff, setzt einen der Milcheinschuss erneut unter Spannung. Die Haare sind fettig und fallen irgendwann aus und auch die Haut läuft mitunter zu alter Höchstform wie zu pubertären Zeiten auf. Kurz: Man sieht aus, wie das blühende Leben. Hormonumstellungen und Schlafentzug sei Dank, wird man sich auch damit eine Weile arrangieren müssen.

Ich hoffe noch immer, dass ich bald zu meinem alten Körper-Ich zurück kehren werde. Denn auch wenn die Hosen von früher wieder passen, so fühle ich mich doch noch hier und da fremd. Fremd im eigenen Körper.

0) 0)

Beitrag teilen

2 Kommentare

  1. Kira
    16. Februar 2018 um 15:40 — Antworten

    Hallo Julia,
    ich habe in deinem Artikel sehr viel aus meiner Schwangerschaft wieder erkannt. Vor allem die eingeschränkte Belastbarkeit und Gefühlsachterbahn haben mir sehr zugesetzt.
    Das mit dem Muskelkater ist ein schöner Vergleich! :-)

    Alles Gute, Kira

    • julia
      16. Februar 2018 um 18:01 — Antworten

      Hi Kira,
      ja es ist erstaunlich wieviel wir Mamas so durchmachen, im positiven wie negativem Sinne. Aber das Gute ist, sobald man die Unannehmlichkeiten durchgestanden hat, ist man stärker ist als je zuvor… Eben wie beim Muskelkater. 💪🏻

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teilen

Schwanger sein ist wie Muskelkater haben. Überall.