Wieso ich meinen Babybauch vermisse

Julia

Vor etwa einem Jahr habe ich ihn zum ersten Mal gesehen. Ganz klein und zaghaft blinzelte er über den Rand meiner Jeans. Ein bisschen schwabbelig und unsichtbar für alle anderen war er mein kleines Geheimnis: der Babybauch.

maternityhack Babybauch dritter Monat

#bodygoals

Was fette Kuchen und Ernährungsberater über Jahre nicht geschafft hatten, hatte mein Baby endlich erreicht: ich nahm zu! Ein paar Wochen nach dem positiven Schwangerschaftstest staubte ich meine Waage ab und stellte mich fortan jeden Sonntag darauf. Ganz Stolz rief ich die aktuellen Zahlen aus dem Badezimmer und zum Ende des ersten Trimesters leuchtete mir mein jahrelang angestrebtes Wunschgewicht entgegen. Für viele mag das skurril klingen, aber ich freute mich über jedes neue Kilo.

Ist das noch Essen oder schon das Baby?

Natürlich sah ich zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht viel anders aus, als sonst. Mein Bauch wechselte je nach Tageszeit Form und Umfang und ich fühlte mich entweder immer »total vollgefressen« oder war »irgendwie aufgebläht«. Jeden Tag fragte ich mich, wann ich mich denn nun endlich nicht nur schwanger fühlen, sondern auch so aussehen würde. Erst allmählich und zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats kam die kleine Wölbung unterhalb des Bauchnabels und blieb.

Die Magie des Babybauches

In keiner Zeit meines Lebens wurde ich so oft angesprochen, wie in den Monaten meiner offensichtlichen Schwangerschaft. Dabei mussite ich mich erst an die so unübliche Freundlichkeit meiner Berliner Mitmenschen gewöhnen. Viele fremde Leute fragten mich täglich, wann es denn soweit sei und ob ich einen Jungen oder Mädchen erwartete.

Alle 11 Minuten verliebt sich eine Mutter in einen Babybauch

Ein Babybauch ist besser, als jede Dating-App. Zumindest was andere Mütter angeht. Ich kam mit zahlreichen Schwangeren ins Gespräch, hatte man doch augenscheinlich eine große, runde Gemeinsamkeit und jede Menge Gesprächsthemen. Auch Mütter, die bereits Kinder außerhalb ihres Bauches mit sich herum trugen, sprachen mich an, oder warfen mir zumindest ein wissendes Lächeln zu. Es war wie Mitglied in einem exklusiven Club zu sein, ziemlich cool.

pregnant walk

Klar pass ich da durch… Oh!

Die schmale Lücke zwischen zwei parkenden Autos oder auch der Tisch in der hintersten Ecke des Restaurants – mit Babybauch bekommt plötzlich alles neue Dimensionen.

Hilfe, ich habe mich in der Stadt verfangen

Wie ein zu dicker Faden versuchte ich mich ein ums andere Mal vergeblich durch die kleinen Ösen der Stadt zu fädeln. Wo ich sonst leichtfüßig hindurchschlüpfen konnte, steckte ich plötzlich fest. Fahrstühle waren offenbar über Nacht geschrumpft und Umkleidekabinen umgebaut worden. Auch in einem schmalen Gang einer Drogerie habe ich mich ein mal verkeilt und musste erst piepend rückwärts watscheln, um mich wieder zu befreien.

Babybauch

Entschleunigung

Unter normalen Umständen flitze ich zielgerichtet durch die Stadt. Habe ich an einem Tag viel zu erledigen baue ich mir die idealste Route, um alles möglichst effizient abzuarbeiten. Keine Umwege, kein Schnick Schnack.

Der winzige Punkt in meinem Bauch machte schon im ersten Trimester klar, wer hier der Chef war und trat mit aller Kraft auf die Bremse. Meine schwindende Kondition musste ich irgendwann akzeptieren und mich von meinem üblichen Takt verabschieden. Jeder Zentimeter Bauch legte sich wie Blei auf meine Tachonadel und ich wurde immer langsamer und langsamer.

Wenn du dir mit einer Rollator-Oma ein Rennen lieferst und verlierst

So ein Babybauch ist der beste Entschleunigungs-Apparat, den man sich vorstellen kann. Vor allem in den letzten Monaten meiner Schwangerschaft schob ich im wahrsten Sinne des Wortes eine ruhige Kugel. Wenn selbst die banalsten Handgriffe zu einer akrobatischen Herausforderung werden, macht man alles mit Ruhe und Konzentration. Meine To-do-Listen und Ansprüche an meine eigene Leistungsfähigkeit sanken auf ein Minimum. Diese Zwangsentspannung hat mir mehr Gelassenheit gegeben und dafür bin ich sehr dankbar.

baby belly Monat 7 der Schwangerschaft

Belly, manchmal fehlst du mir

Mittlerweile ist klein Charlie vor 6 Monaten aus seiner ersten Wohnung ausgezogen und bei mir ist körperlich wieder Normalität eingekehrt. So schön es auch ist, dass mein Bauch wieder ganz mir selbst gehört, so gern denke ich auch an den Ausnahmezustand Schwangerschaft zurück. An die Zeit, in der mein Belly immer das erste war, das man von mir gesehen hat, wenn ich um die Ecke bog. In der meine große Kugel Woche für Woche ein neues Kleidungsstück zum Duell herausforderte und gewann. Und an all die Tage, an denen das Rumpeln und tanzen im Bauchraum die Neugier auf unseren kleinen Charlie ins unendliche steigerte.

Danke Belly, es war schön mit dir

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