Coronaferien Tag 37 – Lagerkoller

Julia

31 Tage lang habe ich stetig Coronaferien-Tagebuch geschrieben. 31 Tage hielten wir zu dritt in der Isolation durch und dann ist uns so richtig die Decke auf den Kopf gefallen.

3 Millimeter Zündschnur

Wir sind gereizt, wir sind überarbeitet, wir sind unentspannt. Wir bemühen uns, wir streiten, wir kochen, stiften Chaos, wir schnappen frische Luft, sind erschöpft, wir lachen, wir putzen, wir gehen früh ins Bett.

Fiebern den Wochenenden entgegen, die kleinen Oasen im eingeschränkten Alltag, die sich so anders anfühlen, obwohl wenig anders ist.

Kriegen uns häufiger in die Wolle. Zicken uns im Dreieck an, von groß nach klein und zurück. Teamgeist und Gefechte wechseln sich ab.

#Coronaeltern

Ich stehe voll und ganz hinter den Bestimmungen der Regierung, halte die Regelungen und Beschränkungen während der Corona-Krise für nötig und wichtig… Und doch haben mir die aktuellen Entwicklungen jegliche Perspektive genommen.

In den neusten Meldungen heißt es, dass der Normalbetrieb in den Kitas erst Anfang August wieder aufgenommen wird. Das bedeutet, wir haben weitere 3 Monate mit Kleinkind und arbeiten von zu Hause vor uns. 15 Wochen Doppelbelastung. Ich hätte nichts gegen eine zweite Elternzeit, aber das Home-Office mit der Kinderbetreuung zu kombinieren ist absolut kein Dauerzustand. Ich weiß wirklich nicht, wie wir das noch so lange durchhalten sollen, ohne den Verstand zu verlieren.

Generell mag ich lieber eine klare Ansage, als Woche für Woche auf eine gute Nachricht zu hoffen. Aber der Tunnel, der sich für uns als Familie mit zwei Jobs offenbart ist wirklich lang und das Licht an dessen Ende wirklich, wirklich schwach.

Countdown zum Burnout

Handy in den Flugmodus – bitte keine Nachrichten mehr!
Ich sitze auf dem Balkon und genieße meine 20 Minuten Freizeit am frühen Abend, bis mich die Müdigkeit, kurz nach meinem Kind, ins Bett zwingt. Ich schlage mein Buch auf und lese im nächsten Kapitel vom Thema Belastung und Überlastung. Hallo Zufall! Einigen einleitenden Absätzen folgt eine Liste mit Anzeichen für ein Burnout. Und was soll ich sagen, nahezu jeden der aufgezählten Punkte kann ich entweder für mich oder den Mann mit “trifft zu” markieren.
Ich fühle mich zunehmend antriebslos, alles kostet mehr Kraft als früher. Ja.
Auf Stress und Anforderungen von außen reagiere ich zunehmend gereizt oder emotional völlig übertrieben. Ja.
Ich bin oft müde und – Ja!

Gerade jetzt fällt es schwer sich gegenseitig Freiräume zu schaffen. Wir sind oft zu sehr damit beschäftigt uns möglichst gut gegenseitig zu unterstützen, Arbeit und Kind ohne Kollateralschäden zu jonglieren. Und irgendwie ist alles um mich herum so laut, dass ich auch manchmal meine eigenen Bedürfnisse nicht höre.

Seit bei uns Ostern die Fetzen flogen, war klar – so geht es nicht mehr. Ein Lagerkoller hat sich durch unser Schlüsselloch gequetscht und sich in Windeseile überdimensional ausgebreitet. Wir müssen feste Auszeiten planen und durchziehen. Zusammen, aber vor allem auch jeder regelmäßig für sich selbst. Zum mal in Ruhe einen klaren Gedanken fassen können. Zum Seele baumeln, wenn auch nur in kleinen Dosen.

Wir haben jetzt also einen neuen Stundenplan, um bei klarem Verstand zu bleiben und nicht komplett auszubrennen.

Die ersten Tage sind vergangen; sowohl der Mann, als auch ich, hatten unsere dedizierte me-time. Es klingt so simpel, so einfach und machbar, dabei bedeutet es in der jetzigen Situation letztlich auch wieder eine Mehrbelastung für den jeweils anderen. Und trotzdem ist es das Beste, was uns aktuell einfällt.

Tag 41 der Pandemie.

Stimmungslage: gute Miene zum bösen Spiel.
Das Kind: mal so, mal so.

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